5.5 Einweihung
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5.5.1 Barbara Dennerlein
5.5.2 Einweihungsprogramm

Die neue EUROPA-ORGEL "Felix Mendelssohn" wurde am Himmelfahrtstag 2004, am Donnerstag, dem 20. Mai 2004 um 10 Uhr in einem Fest-Gottesdienst eingeweiht.

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In 2004 fanden weitere Konzerte statt, hier finden Sie das umfangreiche Programm!

Das Grußwort am 20. Mai 2004 zur Weihe der Europa-Orgel „Felix Mendelssohn“ in der Auferstehungskirche Düsseldorf-Oberkassel von Professor Oskar Gottlieb Blarr:

Sehr verehrter Herr Präses Schneider, 
sehr verehrter Herr Pfarrer Debrand-Passard, 
sehr verehrtes Presbyterium, 
liebe Festgemeinde!

Die Orgelstadt Düsseldorf hat mit der Europa-Orgel „Felix Mendelssohn“ eine neue und gewichtige Stimme bekommen. Die Orgelbauer der Fa. Sauer-Orgelbau aus Frankfurt / Oder haben ein imponierendes Zeugnis deutscher Orgelbaukunst der Gegenwart geschaffen. Nach einer gewissen konzeptionellen Eintönigkeit am hiesigen Orgelhimmel und evangelischerseits nach einer langen Pause, in der man denken konnte, das Ende der christlichen Orgelkultur sei besiegelt, wird nun durch das moderne und beeindruckende Instrument in dieser Kirche der Ruf Düsseldorfs als einer Stadt hervorragender und wegweisender Orgeln aufs Neue belebt und befestigt. 
  
Ich habe zwei Grüße zu überbringen: 1. die des Rotary Club Düsseldorf-Pempelfort und 2. meine ganz persönlichen als Privatmann und Mitglied des Orgelbau-Ausschusses. 
  

Der Rotary Club Düsseldorf-Pempelfort hat in meiner Präsidentschaft 2003 / 2004 nach einer Sammlung für ein soziales Projekt, nämlich die am Evangelischen Krankenhaus Düsseldorf angebundene „Afghanische Kinderhilfe Deutschland e. V.“ als zweite Spendenaktion nun der Unterstützung eines kulturellen Projektes zugestimmt. 1995 hatte der Club eine Gedächtnistafel für Heinrich Heine an der Maxkirche, Heines Gymnasium, anbringen lassen. Das war der Anknüpfungspunkt, jetzt das Projekt Europa-Orgel „Felix Mendelssohn“ zu unterstützen. Beide – Heine und Mendelssohn – waren aus jüdischer Familie. Beide evangelisch getauft. Beide mit Düsseldorf verbunden, Heine durch Geburt und Mendelssohn durch sein segensreiches Wirken in unserer Stadt und bei den Niederrheinischen Musikfesten. Ich darf Ihnen das Zwischenergebnis dieser Sammlung meines Clubs mitteilen: bis gestern waren eingegangen 6.846 €. Diese Sammlung wird am 21. Juni beendet sein und am 24. Juni anläßlich des Präsidentenwechsels im Festsaal dieser Kirche der Gemeinde übergeben werden. Bis dahin könnte sich der genannte Betrag noch etwas erhöhen.

II 
Nun mein persönlicher Gruß. 
Liebe Auferstehungsgemeinde, 
liebe Oberkasselerinnen und Oberkasseler, 
liebe Düsseldorfer und liebe Orgelfreunde quer durch Europa! 
  
In den Ausdruck meiner Freude und meiner Dankbarkeit und in meine Zufriedenheit möchte ich drei Menschen einbeziehen, die zwar nicht mehr leben, aber von denen ich absolut sicher bin, daß sie meine Freude und Dankbarkeit und meine Zufriedenheit teilen. Es sind dies meine beiden berühmten Komponistenkollegen Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn-Bartholdy und mein väterlicher Freund der Radiologe und Orgelexperte Dr. Hubert Meyers aus Luxemburg. 
Ich möchte meine Behauptung kurz begründen: 
  
1. Bach 
Johann Sebastian Bach hat von seinen Orgeln neben technischer Solidität vor allem Gravität gefordert. In der Weimarer Hofkirche, wo Bach als junger Mann kurze Zeit Organist war, forderte er bei bescheidenen 24 Registern einen Subbaß 32´ im Pedal, und in einer anderen Orgel ließ er die doch an sich unverzichtbare Trompete 8´ im HW umbauen und forderte stattdessen ein Fagott 16´, Begründung: es sei gut für neue Inventionibus, also für die Herstellung interessanter Klänge und es befördere die Gravität. 
Bach hätte seine Freude an dieser Orgel gehabt: 2 x 32´ im Pedal, und in den Manualen überall auch 16-Füßer – im Positiv 1 x, im SW 2 x und im HW 2 ½ x. Wer diese Orgel gut zu spielen versteht, wird einen guten Bach auf ihr spielen können. 
  
2. Mendelssohn 
Aus dem Fenster der Festschrift leuchtet der Satz: „Eine gute Orgel zur Erbauung der Gemeinde“: Diese Worte hatte Mendelssohn in Düsseldorf an den Rat der Stadt am 4. Januar 1834 geschrieben. Man sollte aber daran erinnern, warum der junge serafische Meister zur Feder griff; in demselben Brief heißt es nämlich weiter „und so wird es keinem gleichgültig sein in der Hauptkirche dieser / Stadt ein Instrument zu hören, welches gänzlich verdorben und fast / unbrauchbar ist“.   
Einer meiner verehrten Orgel-Lehrer, der Stadtkantor Gustav Sasse in Hannover, wußte mir von einem Orgelgutachten Mendelssohns zu erzählen, das so gelautet haben soll: 
der Ton A) fauchet 
B) kömmt nicht 
C) gibt einen unklaren Ton usw.

Ich weiß nicht, ob Mendelssohn damit die alte Weitz-Orgel von St. Lambertus in Düsseldorf gemeint hat, der der oben zitierte Brief galt. 
Hier an dieser Orgel in Oberkassel: „fauchet“ nichts und „kömmt“ alles und alles gibt einen klaren Ton, 
sogar die beiden tiefsten Donnertöne der Posaune 32´ die in der Regel wenn überhaupt, dann nach mehreren Sekunden Wartezeit ansprechen – ganz einfach, weil die Membranen so riesig sind und sich nur langsam in Schwingung bringen lassen. Das große „C“ ist übrigens meine Patenpfeife und das große „Cis“ hat Rudi Wehrmann meiner verstorbenen Frau zugedacht; sie hatte das Wachsen und Werden dieser Orgel mit großer Sympathie begleitet. Felix Mendelssohn wäre – ich bin wiederum absolut sicher – mit dieser Orgel glücklich gewesen.

3. Hubert Meyers 
Schließlich Dr. Hubert Meyers. In meinem Beitrag in der Festschrift habe ich ihn meinen organologischen Vater und den konzeptionellen Großvater dieser Orgel genannt. Von ihm hatte ich die Idee der europäischen Klangsynthese geerbt; eine Idee, die nach meiner Orgel in der Neanderkirche auch dieses Instrument hier bestimmt hat. 
Die großen Italiener, allen voran Girolamo Frescobaldi, werden hier großartig klingen, auch wenn diese Orgel nicht in alter Stimmung steht, sondern in der gleichschwebenden, für die Bach durch sein Wohltemperiertes Klavier so zukunftsträchtig eingetreten ist. Die Spanier und Portugiesen, allen voran Juan Cabanilles aus Valencia, werden hier in ihrer schier unerschöpflichen Phantasie 
- mit den herausragenden Clarinen und dem kleinen rotzfrechen Orlos aus spanischer Eiche - zu entdecken sein, ebenso die alten Franzosen: Couperin, Du Mage, Raison, Clérambault und alle die anderen, die Terzspiele und Zungenstimmen brauchen, um klanggetreu wiedergegeben zu werden. Manche Organisten heute, deren Güter höchstes die französischen Romantiker sind – leider sehr oft mißverstanden als symphonische Fettbäuche und Krachmacher – werden hier, wenn auch durch die intonatorische Noblesse des Peter Fräsdorf gezügelt, auch auf ihre Kosten kommen.   
Das wichtigste ist aber, hier ist keine Kopie entstanden, so wie man sich in Dresdens Frauenkirche die Köpfe erhitzt hat über Kopie Silbermann oder Kopie französischer oder Kopie deutscher Romantik, nein! hier steht das einzig Vernünftige: eine moderne Orgel, die ihre Wurzeln tief in der abendländischen Tradition hat, die aber mit ihrem Klangfundus und ihrer technischen Ausrüstung in die Zukunft weist. 
Intelligente Improvisatoren werden ihre helle Freude an dieser Orgel haben. Komponisten der Gegenwart können durch sie neue Inventionibus bekommen und Inspiration zu neuen Stücken. 
   
III 
  
Du liebe Auferstehungskirchengemeinde! 
Mit dieser Orgel hast Du etwas Gutes bekommen. 
Ihr lieben Oberkasselerinnen und Oberkasseler! 
Mit dieser Orgel habt Ihr etwas Schönes bekommen. 
Liebe Düsseldorferinnen und Düsseldorfer und liebe Orgelfreunde quer durch Europa! 
Mit dieser Orgel habt Ihr in einer Zeit, in der viele flüchtige Wegwerfprodukte und viele billige Unwahrheiten zirkulieren – mit dieser Orgel habt Ihr ein Stück Wahrheit bekommen. Und – so denke ich -: das 
ist 
sehr 
viel. 


Professor Oskar Gottlieb Blarr 

 

 

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Stand: 11. Juli 2007