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Stand: Mai 2005

Michael Debrand-Passard

Geistliche Worte

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Dezember 2007 Die Kunst zu schenken

Advent - Höchste Zeit für ein paar christliche Anmerkungen zum Thema Schenken.

Von einem anständigen Pfarrer wird erwartet, dass er gegen den Geschenke-Rummel wettert, und sich über den Kommerz echauffiert, den Materialismus der profanen Folklore-Weihnacht anprangert, zu ´Brot-statt-Böller` aufruft. Aber ich muss gestehen, ich finde das Schenken gut. Werfe gern verstohlene Blicke in Schaufenster und stöbere incognito auf dem Weihnachtsmarkt. Freue mich, wenns gelingt, mit von langer Hand ausgeheckten Geschenken die Verlegenheitskäufe-auf-die-letzte-Minute zu vermeiden. - Ich selber bevorzuge Geschenke, die einem nicht die Wohnung zustellen. Ich glaube fest an sparsam möblierte Zimmer und leere Schreibtische, mit Platz zum Bewegen und Luft zum Denken. Ich mag "un(an)fassbare" Geschenke, die man nicht einpacken muss: einen Theaterbesuch, ein Musikerlebnis, die Idee zu einer Reise, eine gute Geschichte am Abend mit Freunden oder Familie in einem verrückten Restaurant. Schall&Rauch-Geschenke dieser flüchtigen Art mag ich und habe über-haupt kein schlechtes Gewissen! 

Und das kommt davon, dass ich aus der Bibel gelernt habe: einander beschenken und sich selbst beschenken lassen gehört ins Herz unserer Gottesbeziehung. 
Wer hat denn angefangen mit diesem Weihnachtsgeschenke-Reigen! War es nicht Gott selbst, der all das in die Welt gesetzt hat? Das allererste Weihnachtsgeschenk war die Christgeburt vor 2000 Jahren. Als die Zeit erfüllt war, schenkte Gott aller Welt Seinen Sohn, als Heiland, d.h. Retter ("Auslöser", ein Kind als Lösegeld, das die Schulden begleicht und alle Welt aus dem Konkurs rettet). Das ist das ursächliche Weihnachtsgeschenk Gottes, aufwendig, teuer, einmalig. Und die Reformatoren lehrten: Vergesst nie, es ist ein echtes Geschenk, kein Tauschobjekt. Wie nötig dieser Hinweis ist, zeigt bereits die Weihnachtsgeschichte selbst.

Wenn der Christus auch das allererste Weihnachtsgeschenk war, so war es doch nicht das einzige Geschenk, damals. Gleich nach der himmlischen Bescherung kreuzen die Heiligen Drei Könige auf. Und was haben sie in der Hand? Drei Weihnachtsgeschenke: Weihrauch, Myrrhe und Gold. Doch kaum nehmen Menschen das Schenken in ihre Hand, bekommt es ein Geschmäckle: Ich geb dir was, aber ich will auch was dafür... Die "drei Könige" der Weihnachtsgeschichte waren Gesandte der Völker, Kundschafter aus fernen Königreichen, ausgesandt, um politische Kräfteverschiebungen frühzeitig zu erkennen, um dann beizeiten politisch auf das richtige Pferd zu setzen. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, größere Geschenke machen gewogen, und ganz große Geschenke verpflichten. Wer gut schmiert, der gut fährt. Diplomatie ist die Kunst, Einfluss zu nehmen (´The Art of Giving with Strings`), Geschenke an Fäden zu überreichen: man zieht sich irgendwas selbst an Land.
Nun, im kleinen Maßstab kennt doch jeder von sich selbst: Wem ich was schenke, der soll sich nicht nur über das Geschenk freuen, sondern auch an den denken, der sich das ausgedacht hat, oder? Und wer ein Geschenk bekommt, den beschleicht durchaus schon mal der Gedanke: Hab ich ja wohl auch verdient. Aus dem Geschenk wird erwartete Anerkennung, verdienter Lohn für erbrachte Leistung. Mal sehen, ob sie dran denken... . Daran ist nichts verwerflich, das Do-ut-Des/ Geb-ich-dir-was, musst-du-mir-geben... ist menschlich.
**
Ernst wird´s, wenn auch unsere Frömmigkeit nach dieser Regel funktioniert. Die Reformatoren haben hier den Sündenfall schlechthin ausgemacht: Wer versucht, Gott in einen Tauschhandel zu ziehen, landet irgendwann bei der Nötigung.

Die liebenswürdigste Parodie darauf gibt es als Witz :
Ein Junge von 9 Jahren entwirft einen Brief an Jesus mit seinem Wunschzettel für Weihnachten. "Lieber Herr Jesus", schreibt er, "wenn ich den ganzen Dezember bis Heiligabend artig bin, bekomme ich dann einen Computer ?" - Er ist nicht zufrieden. Fast einen ganzen Monat lang vorbildlich sein, das ist eine schrecklich lange Zeit für einen Neunjährigen. Er wirft den Brief in den Papierkorb und fängt noch einmal an. - "Lieber Herr Jesus", schreibt er, "wenn ich eine Woche lang lieb bin, bekomme ich dann einen Computer zu Weihnachten?" Aber selbst das ist zu viel für ein Leben, das man als kleiner Junge führen muss, mit komplizierten Tischmanieren und stichelnden älteren Geschwistern... . Er wirft auch diesen Brief weg. - Dann hat er eine Idee. Vorsichtig hebt er die kleine Marienstatue, die im Wohnzimmer auf der Vitrine steht, herunter. Er wickelt sie in ein sauberes Geschirrhandtuch, legt sie in seine Schreibtischschublade, schließt ab und steckt den Schlüssel in seine Tasche. Dann beginnt er einen neuen Brief: "Lieber Herr Jesus", schreibt er, "wenn du deine Mutter jemals wiedersehen willst...".

Nein, der Himmel lässt sich nicht nötigen. Er macht Geschenke, keine Geschäfte. Das sollte man wissen. Jüdische Bibelausleger sagten: Religion is the Art of Giving without Strings. Religion ist die Kunst zu schenken ohne es an Fäden wieder zurückzuziehen, schenken ohne mit einer Gegenleistung zu rechnen.
* **
Bleibt noch zu fragen: Haben wir an jeden gedacht, der bedacht sein sollte? - Jemanden vergessen ? Was schenken Sie Gott? - Ich weiß, diese Frage, was man Gott zu Weihnachten schenkt, klingt absurd. Was schenkt man jemandem, der alles hat ?! Ich meine, buchstäblich alles hat!

Hier ein kleiner Tip. Tun Sie dem Himmel einen kleinen Gefallen. Nehmen Sie Ihm eine kleine Mühe ab in diesen hektischen Tagen:
- Machen Sie einen Telefonanruf - 15 Minuten - bei einer einsamen Seele. Kostet 30 ct. Oder
- machen Sie ein Kompliment an jemanden, der so etwas selten oder nie zu hören bekommt - kostet nichts. 
Oder 
- überprüfen Sie Ihren Ärger. Gehen Sie die Liste Ihrer Streitigkeiten durch, die Liste der Namen von Leuten entlang, mit denen Sie quer sind. Ist eine Fehde darunter, die ihr Verfallsdatum überschritten und sich emotional erledigt hat? Und ein vorsichtiges Hallo wäre drin?

Eine gesegnete Adventszeit !

Pfarrer Dr. Uwe Vetter

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September 2007

„Du sollst den Feiertag heiligen“

Die Zehn Gebote gehören zum Standard christlicher Bildung, darin sind sich die meisten Menschen bis heute einig. Doch die Gewichtigkeit der einzelnen Gebote wird dabei sehr unterschiedlich bewertet.
In der Gemeinde habe ich die Zehn Gebote wiederholt in ganz verschiedenen Zusammenhängen thematisiert und dabei immer wieder eine ähnliche Erfahrung gemacht. Egal ob im Gespräch mit jüngeren oder mit älteren Menschen: Es gibt Gebote, die allen sofort präsent sind, die unmittelbar einleuchten. „Du sollst nicht töten“ ist eines davon. Und dann gibt es andere, die erst nach längerem Grübeln erinnert werden. „Du sollst den Feiertag heiligen“. Dieses Gebot wird meist zuletzt genannt oder sogar ganz vergessen. Warum ist das so? Ich habe nachgefragt. „Wenn ich dieses Gebot ignoriere, tut das doch niemandem weh.“, sagt der Konfirmand. „Das Gebot ist nicht zeitgemäß, schließlich will doch heute jeder am Sonntag einkaufen. Und die Wirtschaft braucht das auch!“, sagt die Betriebswirtin.

In der Tat: in den vergangenen zwölf Monaten gab es so viele verkaufsoffene Sonntage wie noch nie, - und vielen ist das längst nicht genug. Immer mehr Menschen müssen sonntags zur Arbeit, immer mehr dienstliche E-Mails werden auch am Sonntag gelesen und beantwortet. Immer weniger Wochenenden finden sich im Familienplaner, an denen wirklich einmal alle Zeit füreinander haben. Immer weniger Zeit, die Seele baumeln zu lassen - einfach nur so.
„Du sollst den Feiertag heiligen“. Ich bin davon überzeugt, dass die Bedeutung dieses Satzes völlig unterschätzt wird. Er ist aktuell, er ist zeitgemäß und er ist ein großes Angebot: Gott schenkt seinen Geschöpfen einen Tag der Muße und der Gemeinschaft. Der Ruhetag war Gott so wichtig, dass er ihn am siebten Tag werden ließ, als Ziel und Höhepunkt der Schöpfung. Woche für Woche erinnert der Sabbat (für uns Christen der Sonntag) daran, dass der Sinn unseres Lebens sich nicht in Arbeit erschöpft, erst Recht nicht darin, die Wirtschaft am Laufen zu halten. Der Sonntag ist ein gewichtiges Gegenüber zur Erwerbsarbeit, er gibt uns Freiraum zur Muße, zum nicht fremdbestimmten Leben, zur Gemeinschaft mit der Familie, mit Freunden und mit Gott. Insofern ist der Sonntag für Christinnen und Christen nicht nur ein freier, sondern ein befreiter Tag. Offenbar brauchen wir aber ein Gebot, um dieses Geschenk nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen.

Pfarrerin Stefanie Bühne

März 2007

Warten können, wer kann das noch? Das ganze Jahr über gibt es Erdbeeren, der Osterhase hoppelt fast schon vor Weihnachten durch die Auslagen mancher Geschäfte, feierten wir am Ende 2006 schon das Osterfest von 2007?? Wenn ja, was feiern wir dann am 8.4.2007?

Dabei möchte der eine und die andere doch schon jetzt „lebendig und kräftig und schärfer sein“, wie das Motto des Kirchentages 2007 es verheißt.

Und doch müssen wir uns gedulden, der Kirchentag in Köln ist erst im Juni 2007.

Stimmt das denn? Ja, der Termin ist richtig, aber der Text aus dem Hebräerbrief ist schon einiges alt. Gedulden müßte man sich demnach nicht, die Chance, ein klares protestantisches Profil zu entwickeln, besteht schon lange. Es gibt zudem neben den Bibeltexten zur Entwicklung von Inhalten christlicher Existenz in dieser Welt und im linksrheinischen Düsseldorf eigene Gedanken. Im Konfirmandenunterricht suchen wir das zu vermitteln: Computer kommt als Wort noch nicht vor, aber der Umgang mit sich und der eigenen Lebenszeit sind beschrieben. „Lebendig und kräftig und schärfer“ könn(t)en wir schon heute sein.
Was also tun? Sich durch das Leben schleichen? Matt, schwach und unscharf den Herausforderungen begegnen? Warten auf den Kirchentag und dann erst loslegen? Es vergeht so viel Zeit bis endlich etwas geschieht, etwas entschieden wird. Und wenn entschieden, gibt es so viele Diskussionen, es doch anders zu handhaben.

Ist am Ende trotz Erdbeeren im ganzen Jahr die Zeit noch nicht reif? Nein, oder besser: JA, es ist schon jetzt an der Zeit, wie Paulus es im Römerbrief beschreibt, sich den Realitäten zu widmen. Entscheidend ist zu lernen: Wann ist Zeit zu warten und wann zu handeln.

Dankenswerterweise handelt das Presbyterium unserer Gemeinde schon einige Zeit, lebendig, aber mitunter gelähmt, kräftig, aber mitunter schwach, scharf sein wollend, aber aus Rücksichtnahme manchmal nicht durchgreifend genug. 

Bleibt als Fazit: Lassen Sie sich nicht entmutigen, die Fragen IHRES Lebens mutig anzupacken. Und: Lassen SIE sich nicht entmutigen, Ihrer Gemeinde bei der Lösung anstehender Probleme beizustehen: „Lebendig und kräftig und schärfer!!“, da schwingt Zukunft mit.

Michael Debrand-Passard

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Dezember 2006

„Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“ 
Lukas 2, 14

Neben der Schule, an der ich arbeite, befindet sich in baulicher Einheit die Friedenskirche – die zweitgrößte evangelische Kirche Düsseldorfs. Die Friedensbotschaft der Engel an die Hirten auf dem Felde „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“ befand sich früher auf dem Spruchband des „Triumphbogens“ hoch über dem Altarraum. In der Nacht vom 11. zum 12. Juni 1943 – unmittelbar vor dem Pfingstfest - flogen die Alliierten einen schweren Bombenangriff auf den Düsseldorfer Süden, wobei ihnen in dieser sternenklaren Nacht die Türme etlicher Kirchen als Ziellinie dienten. Auch die Friedenskirche wurde getroffen. Am nächsten Morgen bahnten sich viele Gemeindemitglieder den Weg durch die Trümmer der Kirche und blieben erschrocken vor dem Altarraum stehen: Das Spruchband war unversehrt geblieben, - jedoch der Stein mit der Aufschrift „Frieden auf Erden“ war heraus gebrochen und lag zerborsten auf dem Altar. Die Gemeinde – in der es zu diesem Zeitpunkt neben vielen kritisch Denkenden auch noch zahlreiche Menschen gab, die an den „Endsieg“ und an den „Führer“ glaubten – empfand den Stein als Symbol für den zerbrochenen Frieden und als zeichenhafte Mahnung Gottes.

Seit dem 12. Juni 1943 hat es noch viele Zeichen der Mahnung zum Frieden gegeben – und auch immer wieder Menschen, die diese Mahnung wahrgenommen und beantwortet haben. Trotzdem leben wir in einer bedrohlich unfriedlichen Welt. Es fällt uns Menschen offensichtlich sehr schwer, Frieden zu halten und auf Machtansprüche zu verzichten. Dies gilt keineswegs nur für die große Politik, auf die wir allenfalls begrenzten Einfluss haben, sondern auch ganz besonders für unser Zusammenleben in der Familie, in der Partnerschaft, im Beruf und auch in der Gemeinde. Wir wünschen uns Frieden untereinander, aber wir kriegen ihn oft genug nicht hin.
Aber: Es wird uns ausdrücklich zugetraut, dass wir daran etwas ändern können – und sei die Veränderung scheinbar noch so gering. In der Weihnachtsgeschichte wird das darin deutlich, dass die Engel ausgerechnet den Menschen Frieden verkünden, die am wenigsten Grund zur Hoffnung auf eine bessere und friedlichere Zukunft haben. Die Hirten gehen nicht etwa mit der resignierten Haltung „es hat ja doch alles keinen Zweck“ zur Tagesordnung über, sondern sie tun was, sie „nehmen die Beine unter den Arm“ und lassen sich verändern durch das, was sie sehen: „Sie kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gesehen und gehört hatten…“
Zum „Lob Gottes“ brauchen wir keine großartigen Konzepte oder genialen Ideen, sondern die Bereitschaft, im alltäglichen Leben friedfertig zu sein, Brücken zu bauen und nach Verständigungsmöglichkeiten zu suchen – kleine, trotzdem oft schwierige Schritte zum „Frieden auf Erden“. So wäre dann die befreiende Weihnachtsbotschaft nicht einfach nur ein leerer Spruch, der nach Weihnachten ausgedient hat, - sondern sie bekäme den Platz, der ihr zusteht: mitten in unserem Leben.
Brita Siebke-Holzapfel

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September 2006

Viele haben es schon unternommen, Bericht zu geben von den Geschichten, die unter uns geschehen sind, wie uns das überliefert haben, die es von Anfang an selbst gesehen haben und Diener des Worts gewesen sind. So habe auch ich's für gut gehalten, nachdem ich alles von Anfang an sorgfältig erkundet habe, es für dich, hochgeehrter Theophilus, in guter Ordnung aufzuschreiben, damit du den sicheren Grund der Lehre erfahrest, in der du unterrichtet bist.
Lukas 1,1-4

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie war es wirklich gewesen? Geschichten aus der Ur- und Vorzeit werden gern gelesen, Bücher und Filme, die das Geheimnisvolle benennen, aber nicht ganz ergründen, finden begeisterte Anhänger. Zwischen Phantasie und Wirklichkeit wollen sie etwas von jenen Zeiten in das Bewusstsein hereinholen.

Lukas - war er Arzt? – recherchiert, geht den Dingen auf den Grund, wie es gewesen war, fragt Zeugen, liest Berichte von anderen. Zugegeben, die Quellenlage ist ungünstig. Kein Dokumentationszentrum, kein O-Ton kann eingespielt werden, kein Reporter war dabei. Das Ereignis: Das Leben Jesu, sein Ende in Jerusalem, der frühe Tod, das Bekenntnis zur Auferweckung; daneben die Geschichten, die Lehren, die Auseinandersetzungen mit Menschen, die anders dachten - wie das festhalten, wo doch keiner mitgeschrieben hatte?
Die Zeitzeugen leben nicht mehr, Lukas gehört der dritten Generation an. Er will der Sache auf den Grund gehen, nicht nur Fragmentarisches seinen Freunden berichten sondern Linien, die aussagekräftig sind und aus den gesammelten Bruchstücken einen Erzählungszusammenhang herstellen. Er ist nicht der einzige. Neben ihm versuchen Markus und Matthäus, und manche, die wir namentlich gar nicht kennen, aufzuschreiben, was am Anfang einfach nur gelebt wurde.

Die Geschichte Jesu regt zu allen Zeiten viele Menschen an. Manche misstrauen auch den geschichtlichen Überlieferungen, den Kirchen und Menschen, die für die Weitergabe der Tradition einstanden, vermuten Manipulationen. Daher fragen sie nach den Quellen, wollen wissen, was wirklich geschehen ist.

Wir wissen heute vieles über die geschichtlichen Ereignisse damals. Die großartigen Darstellungen der bekannten und unbekannten Überlieferer von Bruchstücken und Sammlungen der Geschichte Jesu und des frühen christlichen Bekenntnisses zeigen, dass schon in den Anfängen der Glaube aus Interpretation der Tradition und gelebter Weitergabe von Erfahrungen des Glaubens lebt. Ähnlichen Muts bedarf es auch heute, um den christlichen Glauben lebendig zu bekennen.

Wolfgang Jenet

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Juni 2006

Wer bin ich?

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.
    Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
    ich spräche mit meinen Bewachern
    frei und freundlich und klar,
    als hätte ich zu gebieten.
Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer, der Siegen gewohnt ist.
    Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
    Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
    Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
    ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
    hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
    dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
    zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
    umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
    ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
    müde und zu leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
    matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?
Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein anderer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?
    Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
    Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

Dietrich Bonhoeffer, 1944 aus der Haft in Berlin-Tegel,
aus: Widerstand und Ergebung

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„Ihr behandelt die Hilfesuchenden mit Fußtritten und drängt die Hilflosen rücksichtslos beiseite.“
Amos 2, 7

Liebe Leserin, lieber Leser, - März 2006

gibt es so etwas wie eine theologisch orientierte Geld- und Vermögenswirtschaft? Ich sehe mich in diesem Einleitungswort eines Gemeindebriefes, der sich schwerpunktmäßig mit der schwierigen Finanzlage der Kirchengemeinde Oberkassel und den Bemühungen um Besserung befasst, mit dieser Frage konfrontiert. Und ich muss gestehen, ich fühle mich dabei einigermaßen hilflos.
Natürlich ist mir bekannt, dass auch die Bibel über Geld und den Gebrauch des Geldes redet. Aber redet sie so darüber, dass es für uns heute hilfreich ist?

Gott hat diese Erde reich und schön geschaffen und gönnt dem Menschen Besitz und Genuss an seinen Gütern. Es kann sogar als Zeichen des besonderen Segens Gottes angesehen werden, wenn ein Mensch in großem Wohlstand lebt. Gott neidet ihm das nicht, er zeichnet ihn sogar damit aus. Das gilt für Abraham, Salomo, besonders Hiob. Jedoch erfährt dieser unbelastete Umgang mit den Gütern dieser Welt dort eine sehr deutlich Einschränkung, wo der „Mammon“ das wird, worauf man sich verlässt.

Eine interessante Beobachtung: „Mammon“ und „Glaube“ haben im hebräischen denselben Wortstamm. Vielleicht ist es ein Hinweis darauf, dass schon immer begriffen wurde, wie leicht ein Mensch den Gefahren des Besitzes erliegen kann. Dann wird aus den guten Gaben Gottes der Gott Mammon und der Blick auf den Geber geht verloren. Und wo der Geber vergessen wird, da wird Geld zum Selbstzweck und der Gebrauch des Geldes verliert seine soziale Bindung. Es sind die Propheten Israels, besonders Amos, die in aller Schärfe unsoziales Verhalten anprangern.

Auch Jesus steht mit seinen Äußerungen über Reichtum und Reiche in dieser prophetischen Tradition. Es ist sein Reichtum, der den Jüngling daran hindert, Jesus nachzufolgen, es ist die Gier nach mehr, die den reichen Kornbauern daran hindert, die Tage seines Lebens mit Freude zu füllen, es ist die Unbarmherzigkeit gegenüber Lazarus, die den Reichen in der Hölle enden lässt. Jesus ist sehr eindeutig in der sozialen Bindung des geschenkten Wohlstandes und in der Entlarvung des Götzendienstes am Mammon. Wenn das Doppelgebot der Liebe als Zielpunkt der Botschaft Jesu angesehen werden darf, so muss das auch bezüglich des Umgangs mit Geld und Wohlstand als die entscheidende Wegweisung verstanden werden.

Daran wird sich insbesondere Kirche messen lassen müssen, ob in den Maßnahmen, die sie in finanziell schwierigen Zeiten beschließt, die Liebe zu Gott und zum Nächsten gleichermaßen zum Zuge kommt.

Nikolai Tischler, Ende 2005 Praktikant in der Gemeinde

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Liebe Leserin, lieber Leser - Dezember 2005

„Dient einander mit den Fähigkeiten, die Gott euch geschenkt hat - jeder und jede mit der eigenen, besonderen Gabe!“ 
1. Petrusbrief 4, 10

Das Gemeindepraktikum im Laufe des Konfirmandenjahres ist längst Tradition bei uns in Oberkassel. Um die Vielfalt des kirchlichen Lebens besser kennen zu lernen, schnuppern die Konfirmandinnen und Konfirmanden ein wenig hinein in die einzelnen Aufgabenbereiche unserer Gemeinde: 
Einige begleiten den Küster bei seiner Arbeit, andere helfen dem Kantor beim Stimmen der Orgel. Einige planen mit der Jugendleiterin die nächste Kindergruppenstunde, andere entdecken, dass eine Pfarrerin nicht nur Gottesdienste hält. Einige besuchen mit der Gemeindeschwester oder im Besuchsdienstkreis ältere Menschen, andere planen den Kindergottesdienst für den nächsten Sonntag, wieder andere stellen erstaunt fest, wie anstrengend es ist, Kinder im Kindergarten zu betreuen.

Trotz einiges Aufwandes und einem hohen Maß an Organisation - das Gemeindepraktikum kommt auch bei den Jugendlichen insgesamt gut an, denn viele können dabei ganz neue Erfahrungen sammeln. So schreibt ein Konfirmand in seinem Praktikumbericht: „Ich habe gelernt, mit Kindern besser umzugehen und sie und ihre Denkweise zu verstehen.“ Eine Konfirmandin schreibt: „Ich fand es vor allem schön, mich mit den älteren Leuten zu unterhalten, denn sie haben schon viel erlebt und erzählen es gern.“ Und: “Ich finde es gut, dass so viele Menschen ehrenamtlich in der Kirche arbeiten.“

Eines jedenfalls wird allen deutlich, wenn wir später im Unterricht über das Erlebte sprechen: Das Gemeindeleben ist bunt und vielfältig, für alle Generationen ist etwas dabei. Und: ohne die vielen Menschen, die sich mit ihren Gaben und Fähigkeiten (ehrenamtlich) einbringen, wäre Kirche gar nicht denkbar! Auch un-sere Gemeinde lebt davon, dass junge und ältere Menschen genau das tun, wozu der 1. Petrusbrief uns aufruft: „Dient einander mit den Fähigkeiten, die Gott euch geschenkt hat - jeder und jede mit der eigenen, besonderen Gabe!“

Wir sind dankbar, dass dies in unserer Gemeinde so vielfältig geschieht: In der Besuchsdienst-, Jugend- und Chorarbeit, in der Gremienarbeit in Presbyterium und Ausschüssen, durch Spenden oder durch zupackende Mithilfe bei Festen und anderen Veranstaltungen und Vorhaben…

Schön, wenn immer mehr Menschen darüber nachdenken, worin ihre Gaben und Fähigkeiten bestehen. Seien Sie uns herzlich willkommen!

Stefanie Bühne

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Liebe Leserin, lieber Leser, haben Sie Pläne? - September 2005

Es gibt ja mittlerweile viele, die sich sagen: „Ich hätte gern einfach einmal Zeit, um das zu tun, wozu ich ansonsten nicht komme.“ Gemeint ist Freizeit, Ausgehen, Faulenzen, Freunde treffen – Sie wissen schon. Es klingt häufig auch eine Sehnsucht nach Sozialem darin mit, nach Kontakten, Begegnungen, die gar nicht exotisch sein müssen, aber eben nicht mehr davon gekennzeichnet sind, dass ich gleich einen Termin habe oder noch eben Einkäufe erledigen muss. Es kann schon etwas Besonderes sein, sich einer Situation öffnen zu können und damit die Chance zu haben, die Menschen, an denen ich ansonsten vorbeitreibe, wahrzunehmen, kennen zu lernen und vielleicht sogar ins Herz zu schließen.

Ein Herbst ist eine wunderbare Phase. Zu Beginn scheint er fast unendlich zu sein. Das macht gelassen. Und es braucht gar nicht so viel, um glücklich zu sein. Mir scheint, auch Gott hat leichteres Spiel. Der Umgang seiner Menschen, der Geschöpfe, mit denen er sich besonders verbunden hat, wird freundlicher und das Wesen Gottes, die Liebe, findet viel eher statt. Dazu muss man nicht wieder achtzehn Jahre alt sein, jedes Alter kennt die Liebe.

Bekannte, Freunde, Nachbarn vernachlässigen wir in der Regel. Jetzt ist es Zeit, sie neu zu entdecken. Und sogar das, was wir häufig als Last empfinden, gute Worte für Einsame zu finden, sich mit Lebenssituationen zu beschäftigen, die uns allzu beschwerlich erscheinen, die Gründe zu erfragen, warum jemand ins Scheitern geraten ist – verändert sich in der Zuwendung. Wir können darin die Freude empfinden, für andere da zu sein, ohne uns zu fragen, ob wir nichts Wichtigeres zu tun haben.

Gott gebe uns ein fröhliches Herz.

Ihr Thorsten Nolting
Diakoniepfarrer

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Liebe Leserin, lieber Leser! - Juni 2005

„Weniger wäre mehr gewesen!“ Das dachte ich, als ich neulich vor einem riesigen kalten Büffet stand und von dem Überangebot ganz erschlagen war. 
Einige Tage später dachte ich erneut: „Weniger wäre mehr gewesen!“ Ich schaute einen spannenden Film im Fernsehen, doch als eine Verfolgungsjagd auf die nächste folgte, da wurde es zunehmend langweilig.
Oft lautet die Devise wohl: „Nicht kleckern, sondern klotzen!“ Aber nicht immer geht diese Rechnung auf.

Nicht selten ist es freilich so, dass das Problem gerade nicht in einem Zuviel besteht, sondern in einem Zuwenig. Und dann, wenn Mangel herrscht, sind die Probleme ganz anderer Natur. Dann fragen wir uns: „Wie kann aus wenig viel werden?“

In der Bibel finden wir ganz unterschiedliche Berichte darüber, wie aus wenig viel werden kann: Während einer Hungerszeit vermehrt der Prophet Elia Mehl und Öl, so dass eine Witwe mit den Grundnahrungsmitteln versorgt ist (1. Könige 17). Oder denken wir an die Speisung der Viertausend im Neuen Testament: Sieben Brote und ein paar Fische reichen aus, um alle satt zu machen (Matthäus 15).
Schön sind sie und kraftvoll, diese wundersamen Berichte der Bibel. Aber Wunder sind halt nicht alltäglich – und erzwingen lassen sie sich erst recht nicht.

Was also tun in Zeiten wie unseren, in denen die Gelder und Mittel – auch in der Kirche – nicht mehr ausreichen? Was tun, wenn gewohnte Standards nicht mehr aufrecht zu erhalten sind?

Ich denke, wir müssen uns auf das Wesentliche besinnen, müssen herausfinden, was uns wirklich unaufgebbar ist. Das erfordert ein Umdenken von uns. Aber wo wir uns darauf einlassen, können wir vielleicht neu verstehen, was wirklicher Reichtum ist. Die Theologin Dorothee Sölle hat diesen Reichtum einmal so beschrieben: „Der Reichtum des Menschen liegt in seinen Beziehungen zu anderen, in seinem Dasein für andere. Die Fülle des Lebens wird nicht weniger, wenn wir sie miteinander teilen, sondern vermehrt.“
Oliver Meyhöfer, Vikar

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Jesus Christus gestorben und auferstanden! - März 2005

Das Kirchenjahr nähert sich mit Karfreitag seinem Höhepunkt. Am dritten Tag danach feiern wir die Auferstehung Jesu, nach Himmelfahrt dann das Fest des Heiligen Geistes, Pfingsten. In diesen sieben Wochen, die manche als Fastenzeit begehen, erinnern wir das gesamte Heilsgeschehen, die Vergebung, die für uns geschehen ist. Letztlich ist in der Karwoche das „Ganze“ erkennbar.

Mehr noch, mit dem Pfingstfest geht das Heilsgeschehen endgültig auf Gottes Kirche über, die allerdings etwas aus den Augen verloren hat: auf die Wiederkehr des Herren zu warten.

Es ist sicherlich richtig, in der Zeit zwischen den Zeiten das Beste aus unserer Situation zu machen. Es ist in unserer Verantwortung, mit Gottes Gaben und den Kirchensteuermitteln sorgsam umzugehen. Es ist unser freier Wille, die Geschicke der Gemeinde zu steuern. Es ist sicherlich auch richtig, auf Erreichtes ein wenig stolz zu sein.

Wir geraten aber genau dann in Schieflage, wenn wir vergessen, dass Christus der Herr seiner Kirche ist und bleibt. Möglicherweise dient in diesem Jahr die Fastenzeit dazu, das Geheimnis Gottes einmal mehr neu zu entdecken.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit des Nachdenkens und Frohe Ostern!

Pfarrer Michael Debrand-Passard

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Mache Dich auf und werde licht! - Dezember 2004

Liebe Leserin, lieber Leser!

„Mache dich auf und werde licht, denn dein Licht kommt.“ 
Jesaja 60,1

Die Advents- und Weihnachtszeit ist unlöslich mit Licht verbunden - das ist gar nicht zu übersehen. In den dunkelsten Tagen des Jahres leuchten uns überall Lichter entgegen. Kaum eine Wohnung, die nicht mit Kerzen oder einem Adventskranz geschmückt ist.

Der Advent hat mit Licht zu tun - das weiß jedes Kind. Doch warum ist das so? Während eines Schulgottesdienstes habe ich einmal nachgefragt. ‚Das ist so gemütlich’, so die erste Antwort der Kinder. Nach einigem Überlegen meinte eine: ‚Es muss etwas mit dem Stern von Bethlehem zu tun haben.’ Dann Schweigen. Niemand konnte erklären, was die vielen Lichter bedeuten sollen. Erst als ich nachfragte, warum wir denn ausgerechnet im Winter und nicht im Sommer so gerne Kerzen anzuzünden, kamen die Kinder darauf, dass es in der Adventszeit draußen besonders dunkel ist. Die Kerzen machen die Dunkelheit hell!

Advent heißt: Gott kommt zu uns Menschen und macht die Dunkelheit unseres Lebens hell. Es wird licht werden. Jedes kleine Adventslicht erzählt davon: Die Kerzen in unseren Wohnungen, die blinkenden Lichter an den Fenstern der Nachbarn, ja selbst die grellen Lichterketten in den Schaufenstern der Einkaufsstraßen. Sie alle haben im Grunde nur diese eine und immer dieselbe Botschaft: „Dein Licht kommt.“ Gott kommt. 
Darum: „Mache dich auf!“. Bleibe nicht unberührt von dem Schein des Lichtes! Setz dich in Bewegung. Gehe dem Licht entgegen und „werde licht“.

Wer sich aufmacht, dem Licht entgegen, der bleibt nicht Zuschauer, bleibt nicht unbeteiligte Randfigur im Geschehen von Gottes Kommen. Er wird hineingezogen in die Kraft des Lichtes.

Advent – Aufruf zum Aufbruch: „werde licht!“
Aufbruch aus festgefahrenem Urteil über den Menschen neben mir - hin zu einem neuen Wahrnehmen und damit vielleicht zu einer neuen, überraschenden Begegnung.
Aufbruch aus der Bitterkeit über erlittenes Unrecht – hin zu der befreienden Erfahrung von Vergebung und Versöhnung.
Aufbruch aus Trauer und Leid – hin zu neuer Lebensfreude.
„Mache dich auf und werde licht, denn dein Licht kommt.“ 

Pfarrerin Stefanie Bühne

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Philippus: „Komm und sieh!“ - September 2004

40 Jahre Bestehen der Philippus-Kirche sind Anlass, dankbar zurückzublicken, ein Grund, sich feiernd zu erinnern, zu besinnen.

Jeder von uns lädt gerne Menschen ein. Wir mögen sie, sie sind uns wichtig. Oder wir möchten ihnen etwas zeigen, sie überzeugen, gemeinsam mit ihnen etwas tun.
Philippus, ein Jünger Jesu, der Namensgeber der Philippus-Kirche, führt nach dem Johannes-Evangelium Menschen zu Jesus. Sie fragen ihn: „Wir kennen doch Jesus und wo er herkommt, was ist daran besonderes?“ Philippus antwortet: „Komm und sieh!“ (vgl. Joh1,46)

Und so treffen sich Menschen Löricks und Oberkassels, ja auch von weiter her, in der Kirche und im Gemeindezentrum Philippus-Kirche und erleben den Weg Jesu mit, spüren, dass sie gern gesehen sind, teilen Freud’ und Leid und treten füreinander ein.
„Komm und sieh“- lautet deshalb auch die Aufschrift auf der vierten, tiefst gestimmten Glocke der Philippus-Kirche.
Beten und Leben für eine bessere Welt
Das Leben aller, die sich einladen lassen, richtet sich am Evangelium Jesu Christi aus. Im Hören auf die Bibel und im Beten kommt Gott zu Wort. Manche stehen fest im Glauben, andere hinterfragen mehr, aber alle suchen sich zu orientieren am christlichen Glauben.
Viel Engagement entwickelte sich in 40 Jahren: Menschen bereiten auf ihre Weise dem Reich Gottes die Bahn.
Seit 1995 ist die Kirche als Ort des Gebets und der Stille auch wochentags offen für die Menschen. Als Zeichen des Gebets entzünden sie Kerzen vor Gott, schreiben ihre Gebetsanliegen an die Gebetssäule. 

Die drei hohen Glocken tragen neben den Gemeindegliedern diesen gelebten Dreiklang Jesu in den Stadtteil: Erlebe Jesus und den christlichen Glauben als Halt und wage den Glauben. Mache Dich auf den Weg, Du wirst erleben, wie im Zusammensein mit anderen Menschen sich dieses Vertrauen bewahrheitet. Du wirst neue Lebensmöglichkeiten entdecken für Dich, füreinander.

Lass Dich einladen, komm und sieh!

Michael Rischer, Pfarrer

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Mit vielen Stimmen voran - Mai 2004


Unsere Kirchengemeinde hat mit Stand Juni 2003 gut 6700 Gemeindeglieder, immer noch mehr als Pfeifen in der neuen Orgel der Auferstehungskirche. Die Gemeinde lebt im Stadtteil wohl nicht im Exil - siehe Kontext bei Jeremia - , dass wir eine Mehrheit darstellten, mag aber wohl auch keiner behaupten. Selbst in ökumenischer Betrachtungsweise stellt das christliche Erbe eine Stimme unter anderen dar, die Lebensumstände im linksrheinischen Stadtteil sind sehr vielfältig.

Nun hat es die Gemeinde unternommen, ein sehr respektables Orgelprojekt auf den Weg zu bringen. Darüber ist sogar die Innenrenovierung der Kirche und das 90- jährige Jubiläum des Kirchbaus in den Hintergrund getreten.

Die Gemeinde lebt sich nicht selbst. Sie ist offen auch für die Belange ihres Umfeldes. Das gilt für den sozial-diakonischen Bereich ebenso wie für die kulturellen Belange des Stadtteils.

Viele Menschen auch außerhalb der evangelischen Kirchengemeinde honorierten dies bereits durch ihre große Anteilnahme oder über eine finanzielle Unterstützung. Dafür danke ich sehr herzlich.

Ich wünsche uns weiterhin den Mut, zuversichtlich gemäß der prophetischen Worte „der Stadt Bestes“ zu suchen - Gott möge uns geleiten.

Michael Debrand-Passard, Pfarrer

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Türen öffnen sich -  Dezember 2003

Wenn man in diesen Tagen durch die Straßen unserer Gemeinde läuft, entdeckt man immer mehr Türen, die mit besteckten Tannenkränzen geschmückt sind. Irgendwie wirkt das einladend. Man stellt sich vor, wie es wohl in den Wohnungen hinter diesen Türen aussehen mag. Wehen dem Eintretenden Aromen von Tanne und Gebäck um die Nase, sobald er die Schwelle überschreitet? Finden sich geheimnisvollverschlossene Türen und Schränke? Man weiß es nicht und kann es nur erahnen.

Sicher weiß ich, dass sich in unseren Kirchen und Gemeindezentren in diesen Tagen immer wieder die Türen für die verschiedensten Menschen öffnen. Die Mini-Clubs feiern ihre Plätzchenparty und alle Gruppen – von den Kindern zu den Senioren– treffen sich zu ihren Adventsfeiern. Da öffnen sich die großen Türen zu den Sälen und man taucht hinein in die freudige Vorbereitung auf Weihnachten. 

Dies ist zugleich die Zeit, in der man leichterneue Kontakte knüpft oder bestehende Bekanntschaften vertiefen kann. Pforten schwingen auf und die Gemeinschaft erwartet uns. Wenn sich dann am Heiligen Abend die Kirchentüren für die Gottesdienstbesucher öffnen, sind wir Zeuge eines ganz besonderen Geschehens. Wir rufen uns in Erinnerung, dass Gott seinen Sohn als Kind für uns in die Welt geschickt hat. Man stelle es sich vor: Gottes Sohn wird klein und schutzlos als„vertrauensbildende Maßnahme“ in diesen irdischen Kontext gestellt. Warum? Einzig und alle in, um uns ganz plastisch vor Augen zu stellen, dass Gott uns liebt und uns nahe sein will. Das ist eine enorme Chance.

So wie wir uns einem – diesem – Kind nähern, ohne Angst und ohne unsere anerzogene Schutzhaut, so können wir auch Gott begegnen. Natürlich begleitet uns Gottes Liebe an jeden Ort, doch es sind meist ganz besondere Momente, an denen uns seine Nähe bewusst wird. In einem solchen Moment geht auch in uns eine Tür auf und es entsteht eine spürbare Verbindung zwischen Gott und uns.

So hat es wohl der Apostel Paulus erlebt, als er an die Gemeinde in Korinth schrieb: „Mir hat sich eine große und wirksame Tür aufgetan“ (1. Korinther16, 9). Dieser Zugang zu Gott hat ihm soviel Mut gemacht, dass er fremden Menschen in fernen Ländern von Gottes Sohn Jesus Christus erzählt hat. So ist diese Nachricht auch zu uns gekommen und wird auch in diesem Jahr gefeiert.

Bleiben Sie an den Türen unserer Gemeinde stehen! Lassen Sie die Türen für sich aufgehen und erleben Sie die Gemeinschaft, die feiert, dass Gott für uns als Mensche auf die Welt gekommen ist! Ein frohes Weihnachtsfest und ein gesegnetes Jahr2004 wünscht Ihnen

Marianne Reysen (Pfarrerin z.A. im Erziehungsurlaub)

…dass Gott uns liebt und uns nahe sein will. Das ist eine enorme Chance.

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Ihr sollt ein Segen sein - Herbst 2003

Das Motto des Ökumenischen Kirchentages in Berlin 2003 ist ein Wort, das gut tut und auffordert, Gutes zu tun. Im Sprachschatz heißt es: „Was der für mich getan hat, war ein Segen für mich.“
Oder: „Diese Frau hat segensreiche Hände. “Jenseits allen theologischen Streits und kirchlicher Trennungen mahnt die Losung des Kirchentages, Gutes zu tun, zu heilen, eine Gemeinschaft zu bilden, die sich wahrnimmt und trägt.

Die Losung gründet auf dem Zuspruch Gottes: „Ich will Dich segnen und Du sollst ein Segen sein “(1.Mose 12,2). Gott sagt ja zu Abraham und seiner Familie, stellt sich auf ihre Seite, verspricht zu begleiten durch schöne und schwere Zeiten. Damit sie in diesem Vertrauen leben können, spricht er ihnen seinen Segen zu.
Für Jesus war dieses Begleiten Gottes selbstverständlich, er wusste sich geborgen darin. Zeichenhaft sprach er es den Kleinsten der Gemeinden, die oft nichts galten in der Gesellschaft, zu: „Jesus herzte die Kinder, legte die Hände auf sie und segnete sie. “(Mk 10,16)
Auch wir können uns durch die Taufe angenommen von Gott wissen. Aber wie leben wir diesen Segen ?

Der Weg der Umsetzung hat zu unterschiedlichen Kirchen geführt, die untereinander zerstritten sind. Manche Nicht-Christen gehen liebevoller mit ihren Mitmenschen um als wir. In diesen Alltag ruft der Kirchentag hinein: „Ihr sollt ein Segen sein! “Heilen, nicht zerstören. Wahrnehmen, nicht gleichgültig sein. Ringen um den Weg der Wahrheit, beharrlich, aber in Liebe. Gott im gemeinsamen Gottesdienst und Tun loben und erleben. Es ist ein hoffnungsvolles Zeichen, dass Loben und Erleben auf einem ökumenischen Kirchentag geschieht.
Genug der Zerrissenheit!

Anfang des 21.Jahrhunderts soll dieser ökumenische Kirchentag ein Zeichen in die Zeit sein, dass wir eine große Hoffnung haben, nämlich Gott, wie er sich in Jesus Christus gezeigt hat: Als liebender, versöhnender Vater, der uns seinen guten Geist in der Taufe mitgegeben hat - und uns zur Versöhnung bringen möchte.
Aus dem linksrheinischen Düsseldorf machen sich 31 Erwachsene und Jugendliche als ökumenische Gruppe auf, diesen Kirchentag zu erleben, seinen Geist zu spüren und weiter zu tragen. Und vielleicht springt der Funke über in die Gemein-
den: Indem wir uns mit den Themen des Kirchentags beschäftigen, auch suchen, ein Segen zu sein.

Vier Schwerpunkte gab es:
- Christentum und andere Religionen
- die Ökumene
- wirtschaftliche Fragen
- und Fragen der Ethik.

712 Seiten umfasst das Programm: Große und kleine Veranstaltungen in Messeräumen und Gemeindezentren mit bekannten Persönlichkeiten und Beispielen aus den Gemeinden, Bibelarbeiten und Kultur, Gottesdienste und Begegnung.
Während des Erscheinens dieses Gemeindebriefes findet der Kirchentag statt. Verfolgen Sie ihn in den Medien, begleiten sie ihn im Gebet! Wenn wir den Segen Gottes leben, der uns allen zugesprochen ist, wird die Welt anders aussehen. Wir gingen kreativ und tolerant miteinander um. Würden mutig für das als richtig Erkannte eintreten. Nicht im verletzenden Streit, sondern liebevoll mahnend. Andere Menschen wären uns nicht gleichgültig, sondern wir wüssten uns als
Teile einer Welt, einer Stadt, die aufeinander gewiesen sind und miteinander leben. Wo freuen wir uns mit? Wo brauchen Traurige Begleitung? Was können wir tun, um Lösungen für Probleme zu finden in der Familie, am Arbeitsplatz, in der
Nachbarschaft?
Christentum ist keine Privatsache. Es geht um Gott, um mich, um andere Menschen. 
Gott begleite uns dabei.

Es segne und behüte uns der allmächtige und
barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der
Heilige Geist!

Michael Rischer, Pfarrer

 

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Stand: Herbst 2011 / 3. November 2008